Ratgeber · Recht & Praxis

Überstunden:
Pflicht, Bezahlung, Steuer — und was 2026 gilt.

Wann müssen Mitarbeiter länger bleiben, was ist dafür zu zahlen, welche Zuschläge sind steuerfrei — und was ändert sich mit dem geplanten Gesetz? Hier stehen die Regeln für Betriebe mit Schichtarbeit, dazu ein Rechner, der die Auszahlung offener Stunden ausrechnet.

Keine Pflicht

ohne Klausel im Arbeits- oder Tarifvertrag — außer im Notfall. Und nie über 10 Stunden am Tag (§ 3 ArbZG).

0 % Zuschlag

sieht das Gesetz vor. Zuschläge gibt es nur, wenn Tarif- oder Arbeitsvertrag sie regeln — 25 % sind üblich.

Nicht steuerfrei

sind Überstundenlohn und -zuschlag. Steuerfrei nur Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge (§ 3b EStG).

Überstunden auszahlen: der Rechner

Überstunden auszahlen
€
Std
Std
%

Stundenlohn = Monatsbrutto ÷ (Wochenstunden × 4,33). Einen gesetzlichen Zuschlag gibt es nicht — nur, wenn Arbeits- oder Tarifvertrag ihn vorsehen.

Auszahlung brutto
242,55 €
Stundenlohn16,17 €
Monatsstunden173,20 h
Grundlohn für 12 Überstunden194,04 €
Zuschlag 25 %48,51 €

Beides ist steuer- und sozialversicherungspflichtig. Steuerfrei sind nur Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit (§ 3b EStG).

Sind Überstunden steuerfrei? Was heute gilt

Die Suchanfrage ist eine der häufigsten zum Thema — und die Antwort enttäuscht meist: Der Lohn für Überstunden ist normaler Arbeitslohn, ebenso ein Überstundenzuschlag. Beides wird versteuert und verbeitragt wie die reguläre Stunde. Steuerfrei sind ausschließlich die Zuschläge nach § 3b EStG, und die hängen an der Uhrzeit, nicht an der Überstunde:

Zuschlag fürSteuerfrei bisZeitraum
Nachtarbeit25 % des Grundlohns20:00 bis 6:00 Uhr
Nachtarbeit, Kernzeit40 %0:00 bis 4:00 Uhr, wenn die Arbeit vor 0 Uhr begann
Sonntagsarbeit50 %0:00 bis 24:00 Uhr, dazu Montag 0–4 Uhr
Feiertagsarbeit125 %gesetzliche Feiertage, dazu Folgetag 0–4 Uhr
Weihnachten, 1. Mai150 %24.12. ab 14 Uhr, 25./26.12., 1. Mai

Grundlohn-Deckel

Die Steuerfreiheit gilt bis zu einem Grundlohn von 50 € je Stunde, die Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung bis 25 €. Und nur für tatsächlich geleistete und einzeln abgerechnete Stunden — eine monatliche Nachtpauschale ist steuerpflichtig.

Geplant, aber nicht in Kraft (Stand Oktober 2026)

Das Arbeitsmarktstärkungsgesetz der Bundesregierung soll Überstundenzuschläge bis 25 % des Grundlohns steuerfrei stellen — für Stunden über die tarifliche Vollzeit (mindestens 34 Stunden je Woche) bzw. über 40 Stunden ohne Tarif. Der Entwurf stammt vom September 2025 und ist im Oktober 2026 noch nicht beschlossen; die Sozialversicherungspflicht soll ohnehin bleiben. Bis dahin ändert sich an der Abrechnung nichts.

Auszahlen oder abbauen — die drei Wege

1 · Auszahlen mit der nächsten Abrechnung

Stundenlohn × Stunden, plus vereinbarter Zuschlag, steuerpflichtig im Monat der Zahlung. Vorteil: sauber abgeschlossen. Nachteil: teuer, und bei Minijobbern droht die 603-€-Grenze.

2 · Freizeitausgleich über ein Arbeitszeitkonto

Stunden werden gutgeschrieben und später als freie Tage oder kürzere Schichten abgebaut. Braucht eine Vereinbarung (Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung), eine Obergrenze und eine lückenlose Erfassung — sonst streitet man am Ende über den Kontostand.

3 · Pauschale Abgeltung — nur mit klarer Zahl

„Bis zu 10 Überstunden im Monat sind mit dem Gehalt abgegolten“ ist zulässig, wenn die Vergütung insgesamt angemessen bleibt. „Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten“ ohne Zahl ist unwirksam — dann sind alle Stunden zu bezahlen. Für Mindestlohnempfänger gilt: Die Pauschale darf den Mindestlohn je tatsächlicher Stunde nie unterschreiten.

Teilzeitkräfte und Zuschläge

Wenn Vollzeitkräfte ab der 41. Stunde einen Zuschlag bekommen, dürfen Teilzeitkräfte nicht erst ab der 41. Stunde Zuschlag erhalten — das Bundesarbeitsgericht hat 2024 entschieden, dass der Zuschlag ab Überschreiten der jeweils eigenen Vertragsstunden fällig ist. Wer Tarifverträge mit Mehrarbeitszuschlägen anwendet, sollte das prüfen lassen.

Wie viele Überstunden sind erlaubt?

Das Arbeitszeitgesetz kennt keine „Überstunde“, nur Grenzen für die Arbeitszeit insgesamt. Die gelten auch für freiwillige Mehrarbeit:

GrenzeRegelFolge bei Verstoß
8 Stunden werktäglichbis 10 Stunden erlaubt, wenn der Schnitt über 6 Monate bei 8 bleibt (§ 3 ArbZG)Bußgeld bis 30.000 €
48 Stunden je Wocheergibt sich aus 8 Stunden × 6 Werktage; dauerhaft mehr ist unzulässigBußgeld, Anordnung der Behörde
Pausen30 Minuten über 6 Stunden, 45 Minuten über 9 Stunden (§ 4)Bußgeld
Ruhezeit11 Stunden zwischen zwei Diensten, in Gaststätten 10 mit Ausgleich (§ 5)Bußgeld

Die häufigsten Fragen zu Überstunden

Müssen Mitarbeiter Überstunden machen?+

Nur, wenn Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag das vorsehen — ohne Regelung gibt es keine Pflicht, außer in echten Notfällen wie einem Wasserrohrbruch. Und selbst mit Klausel gelten die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes: höchstens 10 Stunden am Tag, im Schnitt von sechs Monaten 8 Stunden werktäglich, 11 Stunden Ruhezeit.

Müssen Überstunden bezahlt werden?+

Grundsätzlich ja (§ 612 BGB): Wer über die vereinbarte Zeit hinaus arbeitet, darf Vergütung erwarten. Eine Klausel „Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten“ ist nur wirksam, wenn sie klar benennt, wie viele Stunden gemeint sind — pauschale Formulierungen hat das Bundesarbeitsgericht gekippt. Einen gesetzlichen Zuschlag gibt es nicht; 25 % sind üblich, wenn Tarif- oder Arbeitsvertrag einen vorsehen.

Sind Überstunden steuerfrei?+

Nein. Der Lohn für Überstunden und auch ein Überstundenzuschlag sind steuer- und sozialversicherungspflichtig wie normaler Lohn. Steuerfrei sind nur Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit nach § 3b EStG — egal ob in der regulären Schicht oder in Überstunden. Die Bundesregierung plant mit dem Arbeitsmarktstärkungsgesetz, Überstundenzuschläge bis 25 % des Grundlohns steuerfrei zu stellen; Stand Oktober 2026 ist das Gesetz nicht in Kraft.

Welche Zuschläge sind steuerfrei?+

Nach § 3b EStG: Nachtarbeit von 20 bis 6 Uhr 25 %, von 0 bis 4 Uhr 40 % (wenn die Arbeit vor 0 Uhr begonnen hat), Sonntagsarbeit 50 %, Feiertagsarbeit 125 %, an Weihnachten (24.12. ab 14 Uhr, 25. und 26.12.) und am 1. Mai 150 %. Bemessungsgrundlage ist der Grundlohn bis 50 € je Stunde (für die Sozialversicherung bis 25 €). Voraussetzung: Die Zuschläge werden für tatsächlich geleistete Stunden einzeln abgerechnet — eine Pauschale ist nicht steuerfrei.

Wie werden Überstunden ausgezahlt?+

Stundenlohn × Überstunden, plus Zuschlag, falls vereinbart. Den Stundenlohn aus dem Monatsgehalt rechnet man mit Monatsbrutto ÷ (Wochenstunden × 4,33). Bei 2.800 € und 40 Stunden sind das 16,17 € je Stunde; 12 Überstunden mit 25 % Zuschlag ergeben 242,49 € brutto. Ausgezahlt wird mit der nächsten Abrechnung, steuerpflichtig im Auszahlungsmonat.

Können Überstunden verfallen?+

Nur, wenn eine wirksame Ausschlussfrist im Arbeits- oder Tarifvertrag steht — üblich sind drei Monate nach Fälligkeit, kürzer darf sie nicht sein. Ohne Ausschlussfrist verjähren Überstunden erst nach drei Jahren zum Jahresende. Der Mindestlohnanteil verfällt nie. Gutschriften auf einem Arbeitszeitkonto bleiben bestehen, bis sie abgebaut oder ausgezahlt sind.

Wer muss Überstunden beweisen?+

Der Mitarbeiter muss darlegen, an welchen Tagen er wie lange gearbeitet hat und dass der Arbeitgeber das angeordnet, gebilligt oder geduldet hat. Mit einer Zeiterfassung ist das einfach — und seit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 2022 ist der Arbeitgeber ohnehin verpflichtet, Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszeit zu erfassen. Wer das nicht tut, steht vor Gericht schlechter da, nicht besser.

Dürfen Minijobber Überstunden machen?+

Ja, aber jede Überstunde rückt den Verdienst an die 603-€-Grenze. Wird sie planbar überschritten, kippt der Minijob rückwirkend in die Sozialversicherungspflicht. Unvorhersehbare Überschreitungen sind in zwei Monaten je Jahr bis 1.206 € erlaubt. Freizeitausgleich statt Auszahlung hilft hier nicht automatisch — der Anspruch entsteht trotzdem im Monat der Arbeit.

Wie baut man Überstunden am besten ab?+

Am saubersten über ein Arbeitszeitkonto mit Freizeitausgleich: Der Mitarbeiter nimmt ganze oder halbe Tage frei, das Konto sinkt, die Stunden werden nicht ausgezahlt. Das braucht eine Vereinbarung im Arbeitsvertrag und eine lückenlose Stundenerfassung. Bei Kündigung werden Stunden, die nicht mehr abgefeiert werden können, ausgezahlt.

Stand: Oktober 2026 · Grundlagen: § 612 BGB, §§ 3–5 ArbZG, § 3b EStG, Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts. Keine Rechts- oder Steuerberatung — Tarifverträge und Arbeitsverträge gehen vor.

So behältst du Überstunden im Griff

  1. 1

    Stunden erfassen, nicht schätzen

    Beginn, Ende, Pausen je Tag — als Pflicht seit dem BAG-Urteil 2022 und als einzige Grundlage, auf der sich ein Kontostand verteidigen lässt.

  2. 2

    Stundenkonto mit Obergrenze

    Zum Beispiel höchstens 40 Plusstunden; darüber wird ausgezahlt oder frei genommen. So wächst kein Berg, der bei der Kündigung auf einmal fällig wird.

  3. 3

    Zuschläge nach Uhrzeit trennen

    Nachtstunden ab 20 Uhr, Sonntage und Feiertage getrennt ausweisen — nur dann bleiben die Zuschläge steuerfrei, und der Steuerberater muss nicht nachfragen.

  4. 4

    Minijobber vor der Grenze stoppen

    Stunden × Stundenlohn im Blick behalten; Mehrarbeit lieber auf Midijobber oder Teilzeitkräfte verteilen.

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